Die Uraufführung

Ein ganz besonderer Höhepunkt erwartet uns am Ende unserer Festivalwoche.
Seit der Gründung des Internationalen Kinderchorfestival Dresden 2006 wird
in Kooperation mit der Stiftung Frauenkirche Dresden ein eigens für das
Festival komponiertes Werk für Kinderchöre uraufgeführt.
In diesem Jahr heißt der Komponist Christoph Hiller und sein Werk
The Journey of the Quiet Thought.

Der Komponist

Christoph Hiller

Christoph J. Hiller studierte Dirigieren, Schulmusik und Trompete an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Seit dieser Zeit übernahm er die Leitung verschiedener Ensembles und Chöre im klassischen und populären Bereich. Seine eigene sängerische Tätigkeit setzte er als Bass in der Pop-Vocalband „Sonic Suite“ fort.
Als gefragter Workshopdozent ist er u.a. bei den „Salzburger Sommerkursen“, dem „Bundeskongress Musikunterricht“, der Chor.com, den „Chorpädagogischen Sommerkursen“ und dem „Chorfestival Szczecin“ aktiv.
Für Chorkompositionen erhielt er u.a. Preise beim Wettbewerb „Visions – Jazz-und-Popchor“ und im Bereich Kinderchor beim „V.-E.-Becker Kompositionswettbewerbs“.
Das Projekt „GrenzSänger – Fang’ deine Träume ein“ unter seiner künstlerischen Leitung wurde von der Kulturstiftung der Länder mit dem Preis „Kinder zum Olymp“ ausgezeichnet und in einer fünfteiligen Dokumentation im MDR Fernsehen ausgestrahlt.
Seit 2015 steht Komposition und Musikproduktion im Zentrum seiner Arbeit. Der von ihm vertonte Kurzfilm „Planemah“ (Jakob Schmidt) erhielt 2016 den Jury-Award beim CutOutFest Mexico.
2017 wurde seine Vertonung des Films „Tamah“ (Erhan Yürük) für das „Goldene Auge – Beste internationale Filmmusik“ nominiert und im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Zürich vom Tonhalle Orchester unter der Leitung von Frank Strobel uraufgeführt.

Das Werk

Journey of the Quiet Thought

Originaltext:

Journey of the quiet thought

Once a thought was born,
A quiet thought,
A thought of hope,
Purity, nothing to adorn.

Born in a cave
Made of grey, enlightened just
By the glint
Of ancient shadows brave.

Safe and peaceful he grew,
Borne by the love of his tribe,
Tutelar hand of eternal shadows,
Importance to ascribe.

Still they saw them,
Every morning anew,
Still they were and they went,
Merrily and blue.

A roaring lion, a silent house,
The calling of horses so wild,
The talking eye and the dancing hands,
Shadow world ‐ cave walls child.

Everyday labor, everyone’s woe,
Love, lust, brimming with mirth,
Everything’s guided by the holy shadows,
The wall determined by birth.

The quiet thought went through childhood,
Wisdom obtained,
Glory he gained
Outlaying the life of the shadows.

Priest of the illumed wall,
Master of the eternal shadow,
Everyone witnessed his all‐knowing call,
Quiet thought – believers meadow.

But one morning everything changed,
A scream, a fearful eye,
A stranger entered the cave,
Strong himself he came by.

Too fast to act, too strong to resist,
Tied by the clutch of a hand,
The quiet thought couldn’t elude
The force of the unknown land.

Compelled and wrested, dragged through dust,
The thought began screaming first‐time,
No tender safeness he could trust,
Pulled straight forward to a new clime.

And as he was whisked of his homelike cave,
A fire appeared to his eyes,
Talking people carrying things in front,
Suddenly, he felt like a slave.

The sound of the voices, the shape of the things,
Understanding nothing at all,
He raised his eyes and dazed he beheld
The shadows on the grey wall.

Before he could handle the confusing scene
Before he could stop the scream,
They reached the entrance to the cave
And he was thrown into a dream.

Silence. Lively silence. Silence all over.

As he awoke, his eyes were flooded
With all the colors around,
Vivid fields and gleaming rivers,
Forests wreathed in vibrant sound.

Light. Soaking light. Light all over.

Blinded by clearness, slowly he saw,
More and more details were born.
Discerning the present he understood,
Remembrance of shadows was torn.

Clearness. Enclosing clearness. Clearness all over.

No eternal darkness, no cave, no wall,
Freedom of a brave new world,
New ceiling, new truth, new notion let fall
Apart convictions he shared.

Freedom. Unleashed freedom. Freedom all over.

And just in a moment the thought turned back,
Stared at the scene in the cave,
The fire, the wall, the shadows, his tribe,
Love overtook him in a wave.

Love. Unconditional love. Love.

Freie Übersetzung:

Reise des stillen Gedankens

Einst wurde ein Gedanke geboren,
Ein stiller Gedanke,
Ein Gedanke der Hoffnung,
Reinheit, nichts um sich zu Schmücken.

Geboren in einer Höhle
Aus dem Grau heraus, nur erleuchtet
Durch den Glanz
Von uralten, mutigen Schatten.

Sicher und friedlich wuchs er auf,
Getragen von der Liebe seines Stammes,
Schützende Hand von ewigen Schatten,
Bedeutung zugeschrieben.

Sie sahen sie immer noch,
Jeden neuen Morgen,
Noch waren sie und sie gingen,
Fröhlich und blau.

Ein brüllender Löwe, ein stilles Haus,
Das Rufen von Pferden so wild,
Das sprechende Auge und die tanzenden Hände,
Schattenwelt – der Höhlenwände Kind.

Alltagsarbeit, jedermanns Kummer,
Liebe, Lust, übervoll mit Fröhlichkeit,
Alles wird von den heiligen Schatten geführt,
Die Mauer wurde durch Geburt bestimmt.

Der stille Gedanke durchlief die Kindheit,
Erlangte Weisheit,
Er erlangte Ruhm
Ebseits des Lebens der Schatten.

Priester der erleuchteten Mauer,
Meister des ewigen Schattens,
Jeder war Zeuge seines allwissenden Rufs,
Stiller Gedanke – Flur der Gläubigen.

Aber eines Morgens änderte sich alles,
Ein Schrei, ein angstvolles Auge,
Ein Fremder betrat die Höhle,
Selber stark, kam er vorbei.

Zu schnell zum Handeln, zu stark zum Widerstand,
Gebunden durch den Griff einer Hand,
Der stille Gedanke konnte sich nicht entziehen
Der Kraft des unbekannten Landes.

Gezwungen und entrechtet, durch Staub geschleift,
Der Gedanke begann zum ersten Mal zu schreien,
Keine zarte Sicherheit, der er vertrauen konnte,
Geradewegs in eine neue Gegend gezogen.

Und als er von seiner heimeligen Höhle entführt wurde,
Ein Feuer erschien in seinen Augen,
Sprechende Menschen Dinge vortragend,
Plötzlich fühlte er sich wie ein Sklave.

Der Klang der Stimmen, die Form der Dinge,
Überhaupt nichts verstehend,
Er hob seine Augen und benommen erblickte er
Die Schatten an der grauen Wand.

Bevor er mit der verwirrenden Szene fertig werden konnte
Bevor er den Schrei stoppen konnte,
Sie erreichten den Eingang zur Höhle
Und er wurde in einen Traum geworfen.

Schweigen. Lebhafte Stille. Stille überall.

Als er aufwachte, waren seine Augen überflutet
Mit allen Farben umher,
Lebendige Felder und glänzende Flüsse,
Wälder wanden sich in leuchtendem Klang.

Licht. Durchdringendes Licht. Licht überall.

Geblendet von der Klarheit, sah er langsam,
Mehr und mehr Details wurden geboren.
Die Gegenwart erkennend und verstehend,
Die Erinnerung an die Schatten war zerrissen.

Klarheit. Umfassende Klarheit. Klarheit überall.

Keine ewige Dunkelheit, keine Höhle, keine Mauer,
Freiheit einer schönen neuen Welt,
Neue Grenze, neue Wahrheit, neue Vorstellungen fallen lassened
Abseits der Überzeugungen die er teilte.

Freiheit. Entfesselte Freiheit. Freiheit überall.

Und für einem Moment drehte sich der Gedanke zurück,
Starrte auf die Szene in der Höhle,
Das Feuer, die Mauer, die Schatten, sein Stamm,
Liebe überkam ihn wie in einer Welle.

Liebe. Bedingungslose Liebe. Liebe.